Sie befinden sich hier: Startseite / Unser Gemeindebrief
suche

Liebe und Freiheit

"Liebe zur Freiheit ist die Zierde sterblicher Wesen."

John Wesley (1703 - 1791)

"Ein-stieg" zum Gemeindebrief

 

Was löst das Bild bei dir aus, geschätzte(r) LeserIn? Es lässt im Besonderen einen Christen kaum gleichgültig zurück und löste bei seiner Veröffentlichung 1926 in Paris einen Skandal aus. Die Erfahrung der Schützengräben des 1. Weltkrieges liess eine Gruppe von Künstlern manch Überliefertes hinterfragen. Zu ihnen gehörte auch der Maler des Bildes, Max Ernst (1891-1976), der „mit der Hand“ erzogen wurde. So ist das Vorbild seiner Madonna auch seine Mutter. Er selber war ein strohblonder Junge, der schon von seinem Vater als Jesuskind porträtiert wurde.

Für mich faszinierend ist die Beobachtung, wie die Kunst unsere fixen Vorstellungen hinterfragen kann. Bei diesem Bild taucht für mich die Frage auf, wie Jesus wohl wirklich erzogen wurde. Die auch antike Erziehungsmethode wird in den Sprüchen Salomos beschrieben: „Wer sein Kind liebt, der züchtigt es.“ (Sprüche Salomos 13,24).

Diese Aussage des Bildes ist also an sich nicht revolutionär, aber meist sind wir von ganz anderen Vorstellungsbildern geprägt: von der zarten, liebevollen Madonna, die ihr Kind stolz präsentiert oder stillt. Und dazu steht dieses Bild ziemlich quer. Max Ernst zeigt uns so einen sehr menschlichen Christus, der als Kind vielleicht Streiche spielte oder ungehorsam war. Jedenfalls all das, was ich auch als Vater von meinen Kindern kenne. Mir kam da ein Vers in Sinn:

„So hat er, obwohl er Gottes Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt.“ Heb 5,8. Meint das vielleicht auch seine Erziehung?

Herrlich die Beobachtung, wie der Heiligenschein Jesu am Boden liegt. Er verliert hier zumindest das Klischee vom Heiligen. Er ist eben sehr menschlich, ja geradezu spitzbübisch, wie auch der Künstler…

Trotz der auffallend weit ausholenden Bewegung der schlagenden Mutter ist ihr Heiligenschein auf dem Kopf geblieben. Ihr kann das nichts anhaben. Es tut ihrer „Heiligkeit“ keinen Abbruch. Jedenfalls scheint der Heiligenschein für den Künstler keine eindeutige Klassifizierung zu sein.

Und wie sind die drei Beobachter zu verstehen? Drei – ja genau, gemeint sind die drei Könige oder Sterndeuter, die dem Christkind in der Weihnachtsgeschichte huldigen. Davon kann hier allerdings nicht die Rede sein. Hier sind es kritische, distanzierte Beobachter, die für ein „modernes, religionskritisches Bewusstsein“ stehen, so sagt es eine Interpretation. Auf jeden Fall stellen sie den Künstler selbst und zwei seiner engsten Freunde dar. Auf was schauen sie so kritisch? Auf die schlagende Mutter oder auf die Religion an sich, die in einem so erbärmlich kleinen Menschen ihren Retter sehen will? Menschlich ist sie auf jeden Fall, die Religion. Aus dem Alltag, wie die erziehende Mutter, wenngleich ihre Methode heute zu Recht verpönt ist.

Die Menschwerdung Gottes ist die zentrale Aussage des christlichen Glaubens. Sehr treffend ausgedrückt in dem Bild von Max Ernst. Wenngleich er selber die Kirche mit seiner Lehre sehr kritisch gesehen hat. Und mit genau diesem Bild aufregen und provozieren wollte und der Gotteslästerung bezichtigt wurde.

Aus meiner Sicht zeigt er uns die ganze Diesseitigkeit Jesu. Er ist Mensch und wurde wie jeder andere Mensch geboren. Das feiern wir in diesen Tagen – vielleicht ja beim Anschauen dieses Bildes. Frohe Weihnachten!

Markus Da Rugna

PS: Das Bild heisst: „Die Jungfrau züchtigt das Jesuskind vor drei Zeugen: André Breton, Paul Éluard und dem Maler“ und ist heute in Köln ausgestellt.

 

 

 

 

Den ganzen Gemeindebrief finden Sie nebenan in der rechten Spalte zum Download als PDF-Dokument. Klicken Sie einfach auf den gewünschten Gemeindebrief.


 

 

 

United Methodist Church